14.10.2011

Nachhaltigkeit von Elektronik und IT

(Auch als Podcast verfügbar)



Schon wieder fühle ich mich wie ein alter, greinender Sack. ;) Jedenfalls wird mir anders, wenn ich sehe, wie lang momentan die Schlangen bei den Apfelprodukthändlern sind. Aber nein, ich möchte mich jetzt nicht auf ein Produkt festlegen.



Aber fangen wir mal am Anfang an...
Mein HiFi- und TV-Equipment hatte ich immer pfleglich behandelt, und so wurde mein erster Sony Receiver fast 30 Jahre alt. Irgendwann waren die Potis für Lautstärke sowie Sendereinstellung derart fertig, daß eine Reparatur nicht mehr möglich war.

Anderes Beispiel. Mein erster Videorekorder stammt aus dem Jahr 1986. Das zeitliche gesegnet hatte er 2006 im Rahmen einer großen Überspielsession aller wichtigen Bänder auf DVD bzw. MP3 . Ja, ich hatte zu Zeiten (1987-1990), wo es einen CD-Verleih in Bielefeld gab, kräftig kopiert. Privat war es ja sogar zulässig. Alles in HiFi-Sound auf VHS-Bänder gesichert und in einem Ringbuch akribisch dokumentiert. Leider hatte der Videokopf, welcher auch die Tonabnehmer beherbergte, den Stress nicht mehr ausgehalten. Hätte es den Kopf als Ersatzteil gegeben, wäre es auch ein Leichtes gewesen, ihn zu reparieren. Aber so musste leider für die letzten Bänder ein neuer Rekorder herhalten.

Oder mein Minidisk-Rekorder. Er hat 18 Jahre gehalten bis letztens ein Kunststoffzahnrad dran glauben musste. Mein 21 Jahre altes Tapedeck erfreut sich immer noch bester Gesundheit.

In Sachen PC ist es noch krasser. Mein persönlicher Erneuerungszyklus beträgt etwa 5 Jahre. Demnach wäre ich nächstes Jahr wieder dran. ;)

Aber die PC's bzw. anderes IT-Equipment gehen ja nicht einfach kaputt, nein... es veraltet und wird zu langsam für die neue Software. Dieses durfte ich live bei meinem Uralt-Laptop, Baujahr 1999 erfahren. Dieses Teil hat mich bis Herbst 2007 begleitet. Es lief ein Celeron mit 366MHz und 196MB RAM und 30GB Festplatte. Auch YouTube funktionierte einwandfrei. Nur HD nicht.


Egal, Im Herbst 2007 hatte ich mir dann ein Lenovo Notebook gekauft und das alte Teilchen wurde eingemottet. Letztens habe ich es dann wieder rausgekramt, es lief noch einigermaßen. Allerdings als es dann die gefühlten 1000 Updates installiert hatte, lief nichts mehr so wie vorher. YouTube ruckelte und selbst die Textverarbeitung unter Windows war eine Qual.

Selbiges Phänomen gibt es bei uns im Amt. Dort werkeln Pentium P4-PCs älterer Bauart, welche nach jedem Update langsamer werden.

Nun frage ich mich, ist das vielleicht gewollt?! Will man so den Hardwaretausch anheizen? Ich stamme aus einer Zeit, da wurde noch recht hardwarenah programmiert. Heutzutage ist das natürlich ineffizient, Hochsprachen müssen her. Und so kommt es, das z.B. ein "Hello World" in JAVA einen Hochleistungsrechner braucht.

Nun kommen wir zurück zu den Smartphones. Mein erstes Smartphone habe ich 2005 gekauft, ein XDA2 von o². Läuft eigentlich immer noch... wenn es irgendwelche Updates gegeben hätte. Stattdessen funktionieren nur statische Webseiten ohne Javascript usw. Also unbrauchbar, obwohl das Teil völlig in Ordnung ist. 400MHz Prozessor sollte doch reichen.

2009 habe ich mir dann das Samsung Galaxy i7500 geleistet. Hatte damals die aktuellste Android-Version drauf. Dummerweise gab es von Samsung keine Updates. Und so ist Version 1.5 hoffnungslos veraltet. Ich hatte echt ein schlechtes Gewissen beim Weiterverkauf, habe das dem Käufer auch gesagt. Zum Glück ist er trotzdem zufrieden ;).

Mal sehen, wie es mir mit dem HTC Desire HD ergeht, welches auch nicht mehr ganz taufrisch ist. Vermutlich wird auch die Android-Version 2.3.3 derart veraltet sein, daß neue Apps nicht mehr drauf laufen.

Mich regt es maßlos auf, daß so unnötig Elektronikschrott erzeugt wird. Eine vernünftige Update- und Softwarepolitik würde dieses vermeiden. Aber es geht leider wie so oft um den Umsatz. Das Wörtchen Nachhaltigkeit verkommt dabei zu einer leeren Phrase.

Niemand interessiert es, welche Ressourcen dafür "verbrannt" werden. Sei es Rohstoffe oder heute auch nicht mehr unwichtig, Menschen. Die gesamte IT-Herstellung ist gen China gewandert und wird unter menschenunwürdigen Bedingungen hochgefahren.

Man kann heutzutage nicht einmal mehr Alternativen anbieten, weil weder in Europa noch in den USA nennenswerte Hersteller sitzen. Alles wird im billigen Fernost zu Spottpreisen zusammengehauen und bei uns zu Horrorpreisen verkauft.

Mir würde es reichen, wenn ein Smartphone oder sonstiges IT-Equipment eine Halbwertzeit von über 4 Jahren hat, dafür darf es dann auch etwas teurer sein. Oder sind wir inzwischen in Sachen IT so weit wie in der Modeindustrie, wo uns irgendwelche schrägen Vögel jedes Jahr auf ein Neues die Modefarben und Formen aufs Auge drücken?

Ich folge nicht mehr jedem Trend! Und wie ich in meinem Umfeld sehe, bin ich dort nicht alleine.

Kommentare:

  1. Stimme Dir in dieser Sache vollkommen zu! Das Problem an der Sache: Es kennt sich kaum jemand wirklich mit den Anforderungen an Hardware aus! Sieht man ja eindeutig an der Werbung von diversen BlödMärkten wo mit möglichst hohen Zahlen geworben wird. Teilweise geht das sogar soweit, dass nicht mal mehr die GB einer Festplatte beschrieben werden sondern mittels Slogan gepusht werden. Pc mit Speicherkapazität von bis zu 50.000 Bildern oder MP3s (diese Zahl hab ich mir jetzt nur ausgedacht, habe aber solche Anzeigen schon mehr als Einmal gesehen) So werden dann auch Prozessoren feilgeboten: PC mit 10GHz! Sagt aber niemand dass es sich dabei um eine QuadCore CPU mit 4x 2,5Ghz handelt welche noch dazu aus der Vor-Vor-Vor-Generation stammt.

    Zum Problem mit der Software: Ich sehe auch das sehr ähnlich, aber hier ist es etwas anders gelagert. Manche Hersteller kommen in dne Genuss schon Hardware zur Verfügung zu haben die wir End-Konsumenten erst in einem Jahr oder später unter unseren Tischen stehen haben werden. Ein weiteres Faktum ist, dass Softwareschmieden zumeist nicht mit normalen Workstations arbeiten sondern hier Cluster und die Cloud genutzt werden. Dieser Umstand schafft es dann, dass die Software dann zwar bei den Herstellern einwandfrei läuft, bei uns aber mehr als abkackt (ich bitte die Wortwahl zu entschuldigen). Ich schiele da gerne auf die Spieleindustrie. Warum muss man sich fast alle 6 Monate eine neue Grafikkarte holen wenn es auf Konsolen doch auch jahrelang mehr als ausreichend ist?

    Ich könnte hier noch viele Beispiele aufzählen und darüber philosophieren.

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  2. Ich habe das Gefühl das uns die Technik irgendwann über unsere Köpfe wächst. Die meisten Verbraucher können die Technik jetzt schon nicht ganz verstehen & dessen Möglichkeiten ausschöpfen. Aber trotzdem geht die Entwicklung weiter weil die Industrie ihre Märkte ausbauen wollen & eine Gewinnmaximierung anstreben.

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