09.04.2012

TV und DV archivieren, aber wie?

Viele von uns besitzen noch alte Videokassetten, DV-Bänder oder sogar HD-Kameradateien welche interlaced aufgenommen sind. Diesen Kram will man natürlich für die Nachwelt sichern, da die Halbwertzeit der zeitgenössischen Medien begrenzt ist. Ausserdem ist digitales Material vielseitiger verwendbar.

Nun kommt aber schnell die Frage auf, in welches Format konvertiert man seine Schätze?



Die gängige Meinung ist, alles auf jeden Fall DE-interlaced archivieren, da auf dem PC und den gängigen Videoportalen nunmal progressives Bildmaterial überwiegt. Interlaced Bildmaterial gibt insbesondere bei Kameraschwenks und unruhigen Motiven unschöne Rasterartefakte, wenn man sie über Videoportale oder schwachbrüstigen Rechnern ansieht.

Allerdings ist progressiv konvertiertes Material nicht in jedem Fall besser. Zum einen sollte man einen hochwertigen De-Interlacer einsetzen, welcher die Artefakte im Rahmen hält ohne die Gesamtqualität zu verderben. Auch sollte man feststellen, ob die Software möglicherweise intelligente Algorithmen zur Verfügung stellt. Bei Handbrake nennt es sich z.B. Decomb

Aber so sorgfältig das Material überspielt worden ist, so flüssig wie auf dem Camcordermonitor oder dem TV ist es nicht mehr. Bewegungen an sich sind rauer und Schwenks "zappelig", was gerade bei Freihandaufnahmen sehr unangenehm auffallen kann. Der Grund ist simpel, ein Interlaced-Video hat die doppelte Bildwechselfrequenz als ein progressiv aufgezeichnetes. Durch die niedrige Frequenz von normalerweise 25Hertz im Gegensatz zu 50Hertz wird meines Erachtens der Genuss zur Qual. Selbst auf den heutigen Flachbildschirmen, welche bauartbedingt kein Flackern mehr erzeugen, sind die so kodierten Videos oft suboptimal. Professionelle TV oder gar Kinoaufnahmen berücksichtigen den Effekt, so fällt er im Kino den meisten kaum auf.

Nun sagen vielleicht einige, kein Problem, mein TV kann 100Hertz oder noch mehr. Das Material wird zeitlich hochskaliert. Das ist eine Krücke, welche zwangsweise mit Artefakten daherkommt. Jeder moderne Plasma- oder LC-Fernseher ist ab Werk schon für Interlaced-Bildmaterial ausgelegt im Gegensatz zu Computermonitoren. Somit ist dann die Qualität durch den fehlenden Rechenschritt im TV besser.

Um daher seine Videoschätze zukunftssicher zu archivieren empfehle ich auf jeden Fall, sich die Mühe zu machen und das Material doppelt zu sichern, einmal de-interlaced für den PC- und YouTube-Gebrauch und dann unbehandelt interlaced zur Wiedergabe auf TV.

Auch auf Computermonitoren kommt interlaced-Material flüssig und hochwertig zur Geltung wenn man leistungsfähigen Rechner und Grafikkarte hat.

Mein Vorschlag zur Wiedergabe von interlaced-Videos auf PC lautet: VLC mit interlaced und yadiv(2x)

Meine Handbrake-Einstellung zur Archivierung von TV-Material
Handbrake
H264 (MP4)
RF 18
zus. Parameter ref=1:weightp=1:subq=2:rc-lookahead=10:trellis=0:8x8dct=0:b-adapt=2:aq-strength=2
Es ist zwar etwas Overkill, aber beim Archivieren an der Qualität sparen halte ich für gefährlich.

Zusätzlich für de-interlaced decomb=Default

Bildschirmkopien der Einstellungen kann ich gerne zur Verfügung stellen.