10.11.2019

ESP32-CAM IR Filter entfernen

Die ESP32-CAM Kamera, welche über diverse China-Händler vertrieben wird, ist preislich ein Schnäppchen, wie im vorherigen Beitrag erwähnt. Einige fragten mich, ob das Teil auch mit IR-Beleuchtung funktioniert für nächtliche Überwachung. Ausprobiert, negativ, IR-Filter ist verbaut.

Die Google-Suche war wenig erfolgreich, also habe ich selbst nachgesehen und gewurschtelt. Aber Achtung, das ist nix für Grobmotoriker oder ängstliche und leicht erregbare Gemüter. Weil der Erfolg ist hart erarbeitet. Man tut gut daran, beim Chinamann seines Vertrauens Ersatzkameras zu ordern.



Zuerst empfehle ich dringend, die Kamera aus der Verbindung zu lösen und komplett von der Platine zu entfernen. Die Gefahr, das hauchdünne Verbindungskabel zu beschädigen ist zu hoch. Ich spreche aus Erfahrung.

Die Kamera besteht aus dem Gehäuse mit dem Sensor, auf welches das Objektiv eingeschraubt ist. Leider ist es mit Lack versiegelt, Das bedeutet, dass man einerseits vorsichtig, andererseits aber auch mit etwas Kraft entgegen den Uhrzeigersinn das Objektiv herzhaft herausdrehen muss. Am besten mit zwei Zangen. Das Objektiv schützt man mit Tesafilm oder Malerkrepp, welches auch vor evtl. abrutschender Zange schützt. Leider ist der Kunststoff des Objektivs recht weich. Zudem ist die Linse aus Kunststoff, kann also leicht zerkratzen. Also mit viel Gefühl das Objektiv herausschrauben. Den Hauptteil der Kamera nun erst einmal staubfrei zur Seite legen.



Das Bild zeigt die innere Seite des Objektivs. Bei genauerer Hinsicht sieht man die Klebestellen am Rand. Dort ist die IR-Filterfolie angebracht. Es könnte auch dünnes Glas oder Glimmer sein. Ist jedenfalls recht brüchig. Wenn man mit einem glatten Seitenschneider vorsichtig an der Kante zwischen Filter und Plastikgehäuse etwas Kraft ausübt, fällt einem mit etwas Glück der Filter als Ganzes entgegen. Wenn man Pech hat, als Brösel. Evtl. Reste abknibbeln.


Der Filter selbst ist leicht grün schimmernd. Wenn man ihn als Ganzes herausnehmen konnte, gut wegpacken. Man könnte mithilfe eines kleinen Servos, welches den Filter vor das Objektiv hin und her schiebt, eine Tag-Nacht-Umschaltung machen.

Nun Objektiv mit Spiritusläppchen von Schmutz und Fett befreien und wieder zusammendrehen. Am besten recht weit reindrehen, da sich durch das Entfernen des Filters die Brennweite etwas verändert hat. Nun heisst es, alles zusammenzubauen und testen, ob das Objektiv scharf abbildet. Wenn Dinge in der Nähe scharf sind, und entferntes unscharf, im Uhrzeigersinn reindrehen, ansonsten herausdrehen, je nach Einsatzbereich. Dabei extrem vorsichtig vorgehen und wieder mit zwei Zangen sowie Linsenschutz arbeiten. Einmal abgerutscht und die Linse oder das Flachbandkabel sind erledigt.

Man sollte den Filter allerdings nur dann entfernen, wenn man die Kamera im Nachtsichtmodus nutzt. Weil der Farbkontrast bei Tageslicht geht flöten.


Hier eine Aufnahme mit IR-Filter...

... und hier ohne.
Man sieht sehr gut, das Herbstlaub ist extrem blass und grünes ist eher grau. Insgesamt wenig sinnvoll, den Filter ohne Not zu entfernen. Auch im Schwarzweiss-Modus bleibt der Kontrast bei Tageslicht schlecht.


Hier eine Aufnahme mit IR-Beleuchtung bei völliger Dunkelheit. Auf dem Schrank steht eine Nokia Withings Kamera, welche mit einer IR-LED bestückt ist und das Wohnzimmer ausleuchtet. Das Bild von dieser ist um Längen dunkler und unschärfer. Das Bild ist unbearbeitet! Man sieht Lissy auf dem Kratzbaum, welche der Kamera den Hintern zeigt. 😺

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